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“A Code of Diversity” oder wie ich einmal ein Computerspiel machte

Ich wusste nicht, worauf ich mich einlasse. Vielleicht hätte ich mich mehr damit befassen sollen, was ein GameJam überhaupt ist, aber das Thema „binär und mehr“ hatte mich sofort. Geschlechterrollen in Games? Und das ganze bei der bpb? Es juckte mich in den Fingern, direkt drei Beiträge dazu zu schreiben und die vielen großartigen Beiträge zur Stereotypisierung in Spielen und zwischen Spieler:innen noch einmal zu lesen. [zB bei Deutschlandfunk, Fluter, Der Standard und An.schläge]

So oder so, ich war dabei, ich freute mich riesig, ich bekam leichte Panik als ich verstand, dass Ziel des Jams war, ein Spiel zu schaffen. So ein richtiges Computerspiel mit Grafik und Storyline und Programmierung. Gut, die ersten zwei Punkte, auch den Ton, das würde ich schon schaffen, aber programmieren? Dazu erwähnt: Ich hatte nie Informatik, ich kann maximal einen Code für meinen Blog im Editor an die Stelle schieben, an der die Anleitungen mir erklären, dass er dort hin gehört. Meine Kenntnisse in dem Bereich sind rudimentär, wenn überhaupt. Ich hoffte also sehr darauf, mit Leuten zusammen zu arbeiten, die sich mehr damit auskennen, als ich.

Ein Computerspiel in drei Tagen

Susanne hat ein kleines Intro-Video zu unserem Spiel gemacht

Vergangenen Freitag ging es los und zum Einstieg wurde es sehr angenehm. Ganz barcamp-mäßig fanden wir uns nach einem Vortrag digital auf Discord in einzelnen Sessions. Ich fragte, ob jemand Interesse an einer kleinen Basis-Histo-Feminismus-Runde hätte und tatsächlich kamen einige zusammen, die etwas zur Entwicklung des Feminismus wissen wollten. Wir kamen von der Historie über Frauenhäuser auf die Kluft zwischen TERFS und intersektionalen Feministinnen. In der zweiten Session ging es eher ans Thema. Wieder hatte ich einen Vorschlag, der Zustimmung fand. Diesmal ging es um Geschlechterrollen im Computerspiel für Kinder. Ganz amüsant, dass einer der Teilnehmer meinte, Mario Bros. wäre nicht sexistisch gewesen, aber ein Hinweis auf Peach reichte da, dass er selbst merkte, wie da der Eindruck täuscht. Generell fanden wir, dass es mehr diverse Spiele für Kinder zwischen 4/5 und 10/12 braucht, weil hier die Weichen für das spätere Verständnis gestellt werden. Apropos kennt ihr The unstoppables? Ein großartiges Spiel für Kinder zu disabled Personen.

Am Freitagabend dann wurden Spielideen vorgestellt. Es gab großartige Ideen von Graphic Novels über Charaktererstellungstools und Jump and Runs. Ich wartete ab, aber nachdem keine Idee für ein Computerspiel dabei war, die mich sofort gepackt hat, habe ich etwas Neues vorgeschlagen (auf die Gefahr hin, dass niemand mitmachen will). Mir schwebte ein Escape the Room vor, bei dem die Spieler:innen diverse historische Persönlichkeiten kennen lernen. Tatsächlich war ich sehr euphorisch, als sich schnell eine Gruppe um meine Idee zusammenschloss. Wir überlegten noch etwas hin und her. Vielleicht doch ein Memory (zum Ausdrucken), ein Quartett, ein Race oder Jump and Run mit mehreren Leveln? Es war Freitagabend und ich absolut erledigt. Es hatte viel Input gegeben, viel zu Bedenken, viele Gespräche. Wir vertagten die Entscheidung und trafen uns am nächsten Morgen wieder.

A Code of Diversity

Der Samstag stand ganz im Fokus der Spieleentwicklung. Mit mir waren es jetzt acht Leute, die an der Idee arbeiteten. Wir hatten Grafikerinnen und Menschen für die Storyline, geübte Programierer:innen aber fehlten uns. Und wir mussten langsam aber sicher loslegen. Nachdem uns klar war, dass komplexe Programme hier auf die Schnelle nicht funktionieren und wir trotzdem etwas Gelungenes präsentieren wollten, einigten wir uns wieder bei meiner Basis Idee. Ein Escape Room mit nur einem Raum, einem Hintergrund, auf dem verschiedene Rätsel platziert sind. Als nächstes galt es die historischen Persönlichkeiten fest zu legen. Da wir sie mit Gegenständen verknüpfen wollten sammelten wir besonders Erfinder:innen und stimmten dann für fünf möglichst diverse Menschen ab. Eine Auswahl, die notgedrungen zu Beschränkungen führt und wenn wir mehr Zeit gehabt hätten, wären wir hier anders vorgegangen. Mehr Räume, mehr Persönlichkeiten, mehr Rätsel.

Während unsere Grafikerinnen sich bereits ans Zeichnen machten und zwei sich mit den verschiedenen Programmen zum Erstellen auseinander setzten, erstellte der Rest von uns eine Liste mit den Personen und den Gegenständen zu denen wir sie ordnen wollten. Dann kam die Storyline, also die ideale Lösung und Reihenfolge der Rätsel, so dass daraus eine Geschichte wird. Ihr ahnt es vielleicht, hier war ich voll in meinem Element. Da die Idee aber auf meinem Mist gewachsen war, sah ich mich in der Verantwortung, auch zu organisieren und mich nicht nur auf einen Bereich zu beschränken. Ich recherchierte mit zu den Biografien der Persönlichkeiten, die wir den Spieler:innen präsentieren wollten, entwarf am Ende auch ein paar rudimentäre grafische Vorschläge (ich muss mir für meinen Laptop echt mal einen Stift besorgen, damit das auch professioneller geht) und sammelte Töne. Erst am Sonntag einigten wir uns auf einen Titel: „A Code of Diversity“.

A Code of Diveritsy : Unser Titelbild (Credits to Susanne, Miriam, Lissy und Nicki)

Wir haben`s geschafft!

Unser Computerspiel wurde mit GDevelop erstellt. Da nur eine Person hier über ihren Browser arbeiten kann, blieb die Einarbeitung unserer Grafiken, Töne und Texte an einer einzigen Frau hängen, die eine Nachtschicht einlegte, um alles zum Laufen zu bringen. Bis Mitternacht leistete ich ihr über Screensharing soweit Gesellschaft, als dass ich Hilfestellungen gab und die einzelnen Schritte der Storyline erklärte, wenn sie sich unsicher war. Ich bekam dabei auch einen guten Einblick in das Programm und wie eins damit Spiele erstellen kann. Die letzten Grafiken aber, unser Titelbild beispielsweise, aber auch den Begrüßungstext und ein paar Kleinigkeiten arbeiteten wir erst am nächsten Morgen ein.

Um elf Uhr war Abgabe und eine Viertel Stunde davor reichten wir unser Spiel ein. Wir kamen damit sogar auf den vierten Platz des Jams, was mich sehr euphorisch stimmt, denn so groß unsere Ideen auch waren, so minimalistisch waren unsere Erfahrungen im Bereich der Computerspiel-Entwicklung. Jetzt aber ist das „A Code of Diversity“, ein spannendes Escape the Room, dass ihr online auf Itch.Io spielen könnt. Danke an die großartigen Frauen, mit denen ich zusammenarbeiten durfte. Danke an Susanne, Lissy Michna, Miriam Wolter, ManuK, Lisa Nickolaus, Kari und unsere großartige Julis von TrixmixTV. Ihr seid genial und es war mir eine Ehre.

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