#mamaschreibt – Auch Mütter sind Autorinnen

Meine Mutter lacht ins Telefon. Rotzfrech nennt sie mich, meint es aber nett. Ich habe sie gerade gebeten, die Kinder abzuholen. Schon heute Morgen hatte sie uns an die KiTa gefahren. Der Regen von der Seite über Nacht hat den Fahrradanhänger durchnässt. Dadurch saß ich eine Stunde später als geplant am Schreibtisch. Darum bin ich jetzt noch nicht ganz fertig. Ich muss mich sputen. Den ganzen Vormittag, bis in den Nachmittag hinein, habe ich an der Druckfahne für meinen Liebesroman gesessen. Noch im Mai will der Verlag ihn rausbringen – und an mir soll es nicht scheitern. Passend, denn deute wollten wir, ein bisschen angestachelt durch #Autorinnenzeit, mit #mamaschreibt die Aufmerksamkeit für schreibende Mütter erhöhen. Nicht alle schreibenden Frauen sind Mütter, aber auch Mütter können schreiben.

Ich bin Mutter

Ich bin eine Woche vor meinem 21 Geburtstag Mutter geworden. Darum sage ich immer, dass ich quasi immer mit Kind studiert habe – was nicht ganz stimmt, aber mein Germanistikstudium habe ich immer mit Kind geführt. Ich habe auch mit Kind geschrieben. Jedenfalls Romane. Roman, die jetzt endlich den Weg in die Buchläden finden. Romane, die Zeit gerbraucht haben, weil ich neben dem Schreiben noch studiert habe. Und eben Mutter war. Nächte am Krankenbett meines Kindes, Türme bauen, malen, vorlesen, Butterbrote schmieren und Apfel aufschneiden, Spielplätze besuchen. Lange Zeit habe ich nur schreiben könne, wenn mein Kind geschlafen hat – oder ich im Mutterschutz war. Denn dann hatte ich richtig Zeit und meine Phantasie Langeweile.

Heute habe ich den großen Luxus durch ein Stipendium quasi „hauptberuflich“ zu schreiben – an meiner Dissertation. Wenn die Kinder in der Schule und in der KiTa sind, schreibe ich. Dissertation, Buch, Blog. Manchmal vergesse ich dabei das Essen. Manchmal komme ich aus den Jogginghosen nicht heraus. Mein Kopf arbeitet auf Hochtouren und abends bin ich wirklich KO. Denn am Nachmittag sind drei Kinder da, wollen auch noch bespaßt werden, bekocht werden und frische Wäsche im Schrank. Meine Arbeit hört nicht mit dem Tippen dieser Zeilen auf.

Mit #mamaschreibt im Rücken die Druckfahne für Ellas Schmetterlinge fertig durchgesehen
Ich bin Chefin

Schreiben und Heimarbeit sind beides Tätigkeiten, die gerne nicht als anstrengend wahrgenommen werden. Ich sitze ja zu Hause, gemütlich, in Jogginghosen eben. Das Telefon klingelt, meine Mutter will etwas, mein Mann macht Handwerkertermine vormittags, ich bin ja zu Hause, die Post klingelt. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Ich werde oft unterbrochen. Und meist ist am Ende des Tages der Arbeitsstapel nur unwesentlich kleiner. Eigentlich wollte ich heute noch einen Artikel für den Buchblog fertigmachen (er ist geschrieben, aber noch nicht geplant) und eine große Ankündigung für Face2Face tippen. Eigentlich wollte ich mich gar nicht an die Druckfahne zu Ellas Schmetterlinge setzten, sondern mich an die Diss setzten und später ein paar Kapitel für das #FFZ Projekt schreiben. Doch dann kam gestern Abend die Mail vom Verlag. Ich bin meine eigene Chefin, also ist es meine Aufgabe Prioritäten zu setzen. Und dass der Roman veröffentlichungsreif ist, war heute einfach wichtiger.

Auch Mamas schreiben – wenn nötig mit Kind auf dem Schoß (Foto: alphalight1 / pixabay.de)
Meine Arbeit ist wertvoll

Dafür bin ich letzte Woche fast gar nicht zum Schreiben gekommen. Keule hatte Kommunion und da war eben Mama-Arbeit vorrangig. Heute nicht. Weil ich weiß, dass meine eigen Mutter da ist, dass sie heute auf die Kinder aufpasst, wenn mein Mann und ich Hochzeitstag feiern. #Mamaschreibt funktionier auf viele verschiedene Weisen mit Kindern jeden Alters. Entweder in den Nachtstunden oder beim Mittagsschlaf der Kleinsten. Oder dank Betreuungsangeboten. Dank Vätern, Großeltern, großen Brüdern. Weil ich gelernt habe, um Hilfe zu bitten, wenn ich sie brauche. Weil ich gelernt habe (und immer wieder verteidige – warum muss ich das eigentlich verteidigen?), dass meine Arbeit Arbeit ist, wertvoll, anstrengend. Bücher schreiben sich nicht von alleine. Geschichten planen sich nicht von alleine. Und Familie endet nicht bei Mutter und Kind. Das sind die wertvollsten Erkenntnisse, die ich euch bieten kann.

Denn wenn ich bei meinen Kindern bin, will ich auch wirklich bei ihnen sein und nicht aus dem Arbeitszimmer lugen, während sie Unsinn machen. Das passiert natürlich auch. Aber ich arbeite daran 😉

Kommentar

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