Die Verwandlung – ein Gedicht

Meine lieben Studenten beschäftigen sich heute mit Kafka. Zwar werden sie nicht auf Gregor Samsa treffen, sondern sich mit dem Urteil beschäftigen, aber dennoch fand ich es ganz passend, heute dieses Gedicht vorzustellen. Geschrieben habe ich es 2014, als der Knopf in meinem Bauch wuchs und ich gerade auf der Sommerakademie in Neubeuern war. Dort habe ich zum zweiten Mal Kafkas Verwandlung gelesen. Unsere Gruppe hat sich mir Körper und Raum in der Literatur beschäftigt – und irgendwie kamen wir dabei auch immer wieder auf Fremdsicht, Selbstsicht und das, was im Verborgenen bleibt. Die Studenten werden sich heute mit Literaturtheorien herumplagen. Aber was plagt uns eigentlich täglich in uns selbst?

Ihr findet mein Gedicht übrigens neben vielen anderen in Elementar – Eine Anthologie von DichterZusammen und den Federkielen, erschienen 2016. Darin gibt es beispielsweise auch Texte von Peter Hildebrandt, den ich erst am Samstag in Dudenhofen wieder auf einer Lesung erleben durfte (davon ein andres Mal mehr).

Elementar – Eine Anthologie von DichterZusammen und den Federkielen
Die Verwandlung

Jeder von uns kennt Wanzensachen,
die uns nicht loslassen,
uns umfleuchen,
in unsre Ohren krabbeln,
durch unsre Nasen kriechen,
sich in unsren Augen einnisten.

Wir zeigen unsre Käfer nicht,
das heimlichen Ungeziefer,
das selbst uns unbekannt bleibt,
doch wir kennen sie:
ihre neugierigen Fühler,
ihren unantastbaren Panzer,
ihre kitzelnden Beine.

Gedanken nur,
Bild im Bild,
in ewiger Verwandlung.

Was krabbelt in euch? (Foto: Efraimstochter / pixabay.de)

Ich hoffe, es schaudert euch jetzt nicht 😉 und wünsche einen gelungenen Start in die Woche. Ich würde mich freuen, zu hören, wie euch das Gedicht gefallen hat. Vielleicht wird ja eine kleine Montagstradition daraus – aus dem Gedicht zum Wochenstart, nicht aus den Wanzensachen^^.

Und wer lieber etwas anderes von mir lesen will: Bis Freitag könnt ihr euch auf Lovelybooks für die Leserunde zu Zeitlose – Simeons Rückkehr bewerben. Ich freue mich auf euch.

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