Was Kurzes für Zwischendurch – ein Drabble

Ich bin eine leidenschaftliche Drabble-Schreiberin. Ein Drabble ist eine 100-Wort-Geschichte. Genau 100 müssen es sein, nicht mehr, nicht weniger. Die Überschrift zählt nicht mit. Und diese Einschränkung ist noch nicht genug. Denn das besondere dieser Kürztgeschichte ist ihr letzter Satz. In ihm wird die die Spannung aufgelöst, der Blickwinkel neu gesetzt, die Phantasie angeregt.

Diese kleinen Geschichten sind für mich vor allem Schreibübungen. Wie schaffe ich es in nur 100 Wörtern eine Spannung aufzubauen, die so deutlich in eine Richtung geht, dass Bilder im Kopf meiner Leser entstehen, Erwartungen geweckt werden und Faszination aufkommt. Wohin führen diese 100 Worte? Und genau an dem Punkt, wenn es offensichtlich erscheint, zeige ich, dass Perspektive alles ist.

Für Leser sind Drabbles übrigens auch ein großer Spaß. Genau das Richtige für Zwischendurch. Beispielsweise für einen Moment Pause auf der Frankfurter Buchmesse, die heute Abend eröffnet wird. Ihr findet mich dort Donnerstag, Freitag und Samstag, und wer liebt fragt, bekommt bestimmt etwas aus meinem mitgebrachten Beutelchen. Keine Schokolade, dafür ist Jasmin Zipperling zuständig, aber meine Mitbringsel halten, hoffe ich, etwas länger (Zippi, ich bin gerne bereit, zu tauschen, etwas Schoki freut meinen Energiehaushalt auf der Messe bestimmt^^).

Und weil ich es euch jetzt so schmackhaft gemacht habe, kommt hier auch einer. Passend zum Oktober 😉

Geköpft

Wie eine Trophäe hatten sie seinen Kopf aufgestellt. Die leeren Augen leuchteten in der Dunkelheit der Nacht auf, und aus seinem aufgerissenen Mund schien ein abscheuliches Heulen zu kommen. Unnatürlich war sein Gesicht, verzerrt aufs Grausamste.
Sie hatten ihm den Schädel geöffnet, ausgehöhlt, ausgeschabt – und gelacht dabei. Wehrlos war er gewesen. Wie hätte er es verhindern können? Nur ein trauriger Schimmer in den ausgekratzten Augen war geblieben.
Er sollte es ihnen noch jetzt heimzahlen, zu Schau gestellt und leer.
Und in der Nacht leuchtete er, verbreite Angst, heulte auf, bis es dem Wind genug war.
Das Teelicht im Kürbiskopf erlosch.

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