Inspiriert durch Keule: Gedichte nach 9 Jahren

Heute ist für mich ein durchaus besonderer Tag. Denn heute vor neun Jahren wurde ich Mutter. Ein wichtiger Moment in meinem Leben – anderes zu behaupten wäre gelogen. Ich weiß nicht, ob ich heute promovieren würde, zur Germanistik gefunden hätte, oder überhaupt noch schreiben würde. Es ist furchtbar traurig, dass ich ein Kind bekommen musste, um zu lernen, dass ich meinen Weg gehen muss. Einfach, weil ich wollte, dass die Keule auch seinen Weg findet. Und dabei nicht auf das hört, was „die anderen“ sagen. Wenn es also um die große Diskussion geht, ob Mütter auch schreiben können – die Zeit finden, die Kreativität, die Lust, das Engagement – heißt es von meiner Seit klar „JA“.

Aber …

Seit Knöpfchen in die KiTa geht, habe ich auch wieder Zeit fürs Schreiben.

Momentan bin ich der sehr privilegierten Lage. Keule geht in die dritte Klasse, Nudel und Knopf in die Kita. Solange die drei außer Haus sind (und ihr Vater^^) schreibe ich. An Diss, Blog, Buch. Davor war meine Hauptschreibzeit nachts. Auch das ging, aber ich gestehe gerne, dass ich nun zu mehr Schlaf, Ausgleich und Schreibzeit komme. Und wenn ich noch arbeite, wenn die Kinder wieder da sind, kann ich mich immer auf meinen Mann und die Großeltern verlassen. Diese Unterstützung ist enorm wichtig! (Ein kleiner Appell an alle, die jemanden kennen, der ein kleines Kind hat und schreibt, aber auf KiTa, Partner oder Großeltern verzichten muss: fragt doch mal, ob ihr einfach eine Runde auf den Spielplatz könnt.)

In meinen Texten wiederfinden

Keule wird heute also neun. Und mit einem Blick in mein Gedichte-Notizbuch fallen mir gleich mehrere Werke auf, die ich ohne ihn nie geschrieben hätte. Jetzt möchte ich euch hier nicht mit neune Keule-Gedichten belagern. Aber da sich 9 so wunderbar die Wurzel ziehen lässt, dachte ich, 3 gehen auch. Die sind dafür auch so gewählt, dass ihr seine und wahrscheinlich auch meine Entwicklung lesen könnt.

Perfekt (aus Seelentropfen)

Ich hätte nie gedacht,
Dass meine Seele je so lacht
und sich hingibt dieser Freud,
Keine ihrer Taten bereut.

Niemals hätte ich geglaubt,
Dass man mir auf diese Art vertraut,
Sich nach mir streckt,
Sich nach mir reckt.
Perfekt!

Dass es dich gibt,
Dass man mich liebt,
Auf diese Art,
wagte ich nie zu hoffen,
Doch jetzt bin ich getroffen,
Von diesem Pfeil, von dir,
Fühl mich wie ein Muttertier.

Ich will dich schützen, bewahren,
Dir alles zeigen in meinen Jahren,
Dich wachsen, spielen, lieben sehen,
So lang wie möglich mit dir gehen.

Ich schwebe nur weil es dich gibt
Und glaube mir, du wirst geliebt!

Wirbelwind (aus Elementar)

Du mein Wirblewind.
weh weit und warte nicht,
bis dein Wehen erlaubt,
alltäglich geworden
zum Lüftchen geschrumpft ist.

Du mein Wirbelwind,
weh warm und wirke noch
wenn du dich gelegt hast,
dein Andenken ehrend.

Du mein Wirbelwind,
weh wirklich und weile
nicht nur in meinem Wunsch,
denn allein dein Wehen wird.

So groß ist Keule heute – und schon ein echter Büchermensch.
Nur der Bär

Du hast mir das Bett gewärmt
und bist dann gegangen.

Aus vorgelegten Laken
in deine eigenen getragen.

Murmelnd hast du geantwortet
auf deinen Traum
aus meinem Bett.

Nur der Bär,
der noch das Bett
meiner Eltern kennt
ist mir geblieben.

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